Ferienwohnung finanzieren
09/15/2023
Finanzierungsmöglichkeiten
10/16/2023

Welche Kreditarten gibt es in Deutschland?

Als Kredit wird die Überlassung von Geld oder Sachen über einen vereinbarten Zeitraum bezeichnet. Gegenstand der Übereinkunft sind regelmäßig auch der Ort oder die Art, in der die Schuld zu begleichen ist. Neben dem Wort „Kredit“ verwenden wir im Sprachgebrauch auch die Wörter „Darlehen“ oder „Leihe (auch Ausleihe)“ in ähnlichen Bezügen. Das Bürgerliche Gesetzbuch verwendet ausschließlich das Wort „Darlehen“. Nachfolgend finden Sie die Antwort, auf die Frage » welche Kreditarten gibt es? «

Geldleihe, Sachdarlehen, Entleihung, Pacht und Miete

  1. Die Geldleihe regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in § 488 „vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag“.
  2. Das Sachdarlehen findet sich in den §§ 607 – 610 BGB. Der Darlehensgeber überlässt eine vertretbare Sache, z. B. Heizöl, und der Darlehensnehmer gibt eine gleichartige (nicht dieselbe!) Sache in gleicher Menge, Art und Güte zurück. Sachdarlehen spielen bei Handel und Gewerbe eine bedeutende Rolle.
  3. Die §§ 598 – 606 regeln die Entleihung. Hier wird eine bestimmte Sache zur Nutzung überlassen, die nach Gebrauch zurückgegeben werden muss.
  4. Die Pacht ist ein wechselseitiger Vertrag, der dem Pächter die Nutzung der Sache erlaubt und ihm den Ertrag daraus zuspricht. Gleichzeitig ist er verpflichtet, dafür einen Pachtzins zu zahlen.
  5. Die Miete ist wie die Pacht ein Dauerschuldverhältnis, aber der Mieter darf einen eventuellen Ertrag aus der Mietsache nicht behalten.

Im Bereich der Geldleihe für Privatpersonen bildeten sich in den letzten Jahrzehnten drei Grundtypen heraus, in die nahezu alle Kredit- oder Darlehensverträge der Finanzwirtschaft einzuordnen sind:

  • das Überziehungsdarlehen („Dispo“)
  • der Ratenkredit und
  • das Annuitätendarlehen.

Die Pfandleihe als Kreditart

Mit großer Sicherheit älter als das Bankgewerbe ist das der Pfandleiher. Der Pfandleiher gewährt ein Gelddarlehen für Zinsen und Kosten und erhält dafür vom Kreditnehmer ein „Faustpfand“, einen Gegenstand, der für das Gelddarlehen haftet. Der bedeutende Unterschied zwischen einem Bankkredit und einem Kredit vom Pfandleiher besteht darin, dass der Kreditnehmer beim Pfandleiher nicht persönlich haftet. Ausschließlich die verpfändete Sache dient als Sicherheit für den Kreditbetrag. Bei einem Pfandkredit müssen daher keine Gehaltsnachweise vorgelegt werden und es erfolgt keine Schufa-Abfrage oder Meldung zum Vertragsabschluss über einen Pfandkredit an die Schufa oder eine andere Auskunftei. Auch die Nicht-Auslösung des Pfandes wird nirgendwo registriert.

Die Zinsen sind gesetzlich geregelt (1 % pro angefangenen Monat) und bei Pfandkreditbeträgen bis zu 300 Euro sind auch die Gebühren begrenzt. Im Falle der Nicht-Auslösung des Pfandes wird dieses durch einen öffentlich bestellten Versteigerer oder Gerichtsvollzieher versteigert. Entsteht nach der Versteigerung nach Einbeziehung von deren Kosten ein Mindererlös, trägt diesen der Pfandleiher. Ein eventueller Mehrerlös steht dem Pfandgeber zu. Die Vertragslaufzeit ist zunächst auf drei Monate und einen Karenzmonat begrenzt und kann nur nach individueller Vereinbarung, meist nur einmal, verlängert werden.

Als Pfand dienen vor allem Schmuck, Kraftfahrzeuge, Kunst, Antiquitäten, Goldmünzen, Edelsteine und Technik wie etwa ein hochwertiger Fernseher. Pfandkredite lösen nur ein ganz kurzfristiges, überschaubares Bargeldproblem. Sie eröffnen keine Wege zur mittel- und langfristigen Stabilisierung der persönlichen wirtschaftlichen Situation.

Ein Kredit von Banken und Sparkassen an Privatpersonen als bekannteste Kreditart

Bedingt durch den Kostendruck und die Anforderungen der elektronischen Datenverarbeitung, erfolgt die Kreditgewährung an Privatpersonen nach standardisierten Mustern.

Der Dispositionskredit

Mit der Kontoeröffnung erkennt ein Bankkunde die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der jeweiligen Bank an und unterwirft damit sein Einkommen im Rahmen der Pfändungsgrenzen den Ansprüchen der Bank. Dies ist die Grundlage für eine automatisierte Kreditgewährung in Höhe von zwei oder drei Monatsgehältern. Diese wird als Kreditlinie dem Kunden eingeräumt und nach Inanspruchnahme abgerechnet. Die Zinsen werden von jeder Bank individuell festgesetzt und liegen im Bundesdurchschnitt beim Doppelten dessen, was der gleiche Kunde beim gleichen Institut für einen Ratenkredit bezahlen müsste. Es geht auch noch teurer: In Deutschland verteilen einige Spezialbanken großzügig Kreditkarten. Die Umsätze damit sind mit Kosten verbunden, die beim Eineinhalbfachen eines normalen Dispos liegen. Dafür werben Sie gerne mit dem Begriff „gebührenfrei“ oder „keine Gebühren weltweit“.

Der Ratenkredit

Während der Dispo automatisiert jedem mit halbwegs ordentlicher Schufa-Auskunft nach dem ersten oder zweiten Geldeingang oder im Rahmen eines Kontowechsels angeboten wird, erfolgt bei der Vergabe von Ratenkrediten eine Kreditprüfung. Herangezogen werden die Einkommenssituation und die Bonität. Deren Einschätzung beruht auf dem wirtschaftlichen Verhalten in der jüngeren Vergangenheit und wird in Deutschland bei Privatpersonen monopolartig von der Schufa vorgenommen. Die Banken sind verpflichtet, bei der Festlegung der Konditionen die Bonität zu berücksichtigen. Kreditangebote sind daher immer persönlich. Die Rückzahlung erfolgt in festgelegten, gleichbleibenden Raten. Die Verzinsung bleibt über die gesamte Laufzeit unverändert. Ratenkredite decken den Bereich zwischen 1.000 und rund 50.000 Euro ab. Die Laufzeit beträgt meist zwischen einem und sieben Jahren. Ratenkredite werden zur freien Verfügung gewährt. Erfolgt die Kreditvergabe im Zusammenhang mit der Besicherung durch ein Pfand, etwa ein Kfz, so muss das Pfand natürlich erworben werden.

Das Annuitätendarlehen als gebräuchliche Kreditart bei einer Baufinanzierung

Darlehen, für die ein Festzins vereinbart worden ist, können erstmalig nach zehn Jahren gekündigt werden. Diese Form der Finanzierung wird von Privaten überwiegend im Bereich der Baufinanzierung in Anspruch genommen. Das Annuitätendarlehen ist ein langlaufender Ratenkredit. Die monatliche Zinszahlung sinkt und in gleichem Maße steigt die Tilgungsleistung bei gleichbleibender Ratenhöhe. Im Regelfall erfolgt eine Besicherung durch ein Grundpfand (heute mehrheitlich Grundschuld, selten Hypothek). Da die Kosten für die Kreditprüfung und die Bestellung der Grundschuld sehr hoch sind, lohnt sich für Banken die Vergabe nur ab einer Mindestdarlehenshöhe von gegenwärtig ungefähr 50.000 Euro. Darlehen, die mit einem Grundpfand besichert werden, sind die günstigste Form der Kreditaufnahme. Außer zum Kauf und zur Renovierung von Häusern können freie Beleihungsspielräume von Immobilienbesitzern auch für die Kreditaufnahme zu anderen Zwecken genutzt werden.

Daneben existieren Sonderformen der Kreditgewährung, wie das Bauspardarlehen. Das Recht auf ein Bauspardarlehen wird durch das Ansparen eines Bausparvertrages erworben.

Spezialbanken des Bundes und der Länder gewähren außerdem Förderkredite in verschiedenen Bereichen zu unterschiedlichen Konditionen.

Top